
137 Namen standen zuletzt auf meiner Rohliste für Speaker, bevor ich auch nur einen davon anschrieb – am Ende blieben zwölf übrig, die wirklich zum Kongress passten. Diese Quote ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Prüfung, die ich vor jeder Anfrage durchziehe, seit ich gelernt habe, dass Reichweite allein noch keinen guten Speaker macht. Bei der Speaker-Akquise für einen Online-Kongress entscheidet nicht die größte Liste, sondern die am besten passende – und genau das ist der Kern jeder soliden List-Building-Strategie im Event-Marketing für den deutschsprachigen Raum.
Kurzer Hinweis vorab: In diesem Text tauchen Affiliate-Links auf. Kaufst du darüber ein Tool, bekomme ich eine Provision, ohne dass sich dein Preis ändert – ich verlinke ausschließlich Software, die in einem meiner vier Kongresse tatsächlich im Einsatz war.
Speaker-Akquise: Warum Reichweite als Auswahlkriterium in die Irre führt
Reichweite ist das erste Kriterium, das die meisten Erstveranstalter prüfen – und das am häufigsten falsch gewichtet wird. Eine Followerzahl sagt nichts darüber aus, ob die Leute dieser Person auch tatsächlich klicken, wenn ein Kongress-Link in ihrer Story auftaucht. Was zählt, ist die Listengröße innerhalb der eigenen Nische, nicht die Prominenz außerhalb davon. Ein Speaker mit 2.000 treuen Abonnenten in einem engen Themenfeld bringt mir regelmäßig mehr Anmeldungen als ein Name mit dem Zehnfachen an Followern, die breit verstreut sind und sich für kein einzelnes Thema wirklich interessieren.
Meine Kollegin Judith Frenzel, die im selben Co-Working-Space als Marketing-Beraterin arbeitet, hört sich diese Rechnung inzwischen skeptisch an, bis die Zahlen tatsächlich stimmen – und genau diese Haltung habe ich mir mittlerweile selbst angewöhnt, bevor ich einer Reichweitenangabe traue. Wer mir keine groben Zahlen zur Aktivität seiner Liste nennen will, fliegt von der Anfrageliste, egal wie bekannt der Name ist.

Was zählt mehr als Follower-Zahlen?
Engagement schlägt Followerzahl, und zwar deutlicher, als die meisten am Anfang glauben. Im DACH-Markt tickt das Publikum ohnehin anders als im US-geprägten Guru-Marketing – Vertrauen zählt hier mehr als bloße Reichweite. Ein weiterer Punkt, den viele erst spät bedenken: Wie sauber die Anmeldeseite mit dem Double-Opt-in umgeht, entscheidet mit, wie viel von der Reichweite eines Speakers am Ende überhaupt bei dir landet. Die Mechanik dahinter erkläre ich hier nicht im Detail, das würde den Rahmen sprengen – aber wer ein Tool ohne stabilen Opt-in-Prozess einsetzt, verschenkt Anmeldungen, bevor der Kongress überhaupt begonnen hat.
Deshalb frage ich heute bei jedem potenziellen Speaker gezielt nach, wie aktiv seine Liste wirklich ist – Öffnungsraten, Klickverhalten, letzte Kampagne. Ein Speaker, der darauf ausweichend antwortet, hat meistens selbst keinen Überblick über seine eigene Community.
Speaker mit echter Nische schlagen jeden Promi-Namen
Ein Vergleich, den ich oft in Coaching-Gesprächen bringe: Einen reichweitenstarken Speaker zu buchen ist wie einen großen Saal für eine Konferenz zu mieten, ohne vorher zu prüfen, ob überhaupt genug Leute mit Namensschild durch die Tür kommen. Die Raumgröße beeindruckt, aber sie füllt sich nicht von allein. Genauso verhält es sich mit reichweitenstarken, aber thematisch beliebig aufgestellten Speakern – ihr Publikum interessiert sich für viele Themen ein bisschen, aber für deins nicht besonders.
Hanna Schreiber, die als Mindfulness-Coach bei einem meiner Kongresse als Speakerin dabei war und inzwischen selbst ein Event plant, setzt konsequent auf organisches Wachstum statt auf bezahlte Anzeigen – und genau solche Speaker bringen die stabilsten Anmeldezahlen, weil ihre Community ihnen vertraut, statt nur ihre Reichweite passiv zu konsumieren.

Technik entscheidet, ob dein Speaker dir noch einmal vertraut
Bei einem früheren Kongress hatte ich noch keine Automatisierung im Einsatz – ich verschickte jeden Replay-Link von Hand über meine Newsletter-Software. Bei einem Speaker ging dabei gleich dreimal hintereinander die falsche Aufzeichnung raus, weil ich zwei Tabs verwechselt hatte. Wie man Replays sauber automatisiert, ist ein eigenes Thema für sich – hier nur so viel: Sobald ein Speaker mitbekommt, dass seine Community die falsche Version bekommt, ist das Vertrauen für die nächste Zusammenarbeit angeknackst.
An einem anderen Kongress-Starttag saß ich um halb sieben abends vor dem Handy und sah auf dem Bildschirm nur nackte Anmeldezahlen – keine einzige Rückmeldung von einem der Speaker, kein Hinweis, ob der Traffic überhaupt bei ihrem Publikum ankam. Nur Zahlen. Keine Reaktion.
Genau dieses Problem hat mich dazu gebracht, beim Tool stärker auf Tracking pro Speaker zu achten statt nur auf Gesamtzahlen zu schauen. Seit ich für meine Kongresse auf ClickSummits setze, kann ich jedem Speaker einen eigenen Tracking-Link geben und sehen, was sein Publikum wirklich bringt, ohne dafür eine Zeile Code zu schreiben. Das nimmt auch dem Gespräch mit dem Speaker den Druck: Ich muss keine vagen Versprechen mehr machen, sondern kann nach dem Kongress konkrete Zahlen zeigen. Wie du die Anmeldeseite dafür auch auf dem Handy sauber hinbekommst, hatte ich in meinen Tipps zur mobilen Optimierung schon einmal aufgeschrieben.

Meine Prüfkriterien vor jeder Anfrage
Bevor ich heute überhaupt eine Anfrage rausschicke, prüfe ich vier Dinge in dieser Reihenfolge. Erstens, wie eng das Thema des Speakers zu meiner Kongress-Nische passt, nicht nur oberflächlich, sondern bis auf die Zielgruppe runter. Zweitens, ob die Person bereit ist, mir grobe Zahlen zur Aktivität ihrer Liste zu nennen, statt nur mit der reinen Followerzahl zu argumentieren. Drittens, wie sie in der Vergangenheit mit anderen Kooperationen umgegangen ist – teilt sie aktiv, oder reicht am Ende ein einzelner Story-Post ohne Nachfassen. Viertens, ob genug Vorlauf für ein vernünftiges Interview bleibt, ohne dass am Ende alles zwei Tage vor Launch zusammengeschustert wird.
Wer bei Punkt eins oder zwei schon durchfällt, kommt bei mir gar nicht erst in die engere Auswahl, egal wie glänzend der Rest des Profils aussieht. Diese Reihenfolge hat sich über mehrere Kongresse hinweg bewährt, weil sie zuerst die Fragen stellt, die sich später nicht mehr korrigieren lassen.
Fazit: Reichweite ist nur die halbe Miete
Die richtige Speaker-Auswahl bleibt eine Mischung aus Gespür für die Nische und ein paar harten Kriterien, die du konsequent durchziehst. Wie du die Termine mit mehreren Speakern anschließend koordinierst, ist ein eigenes Thema für sich, genau wie die Frage, welche Kongress-Plattform grundsätzlich zu deinem Setup passt. Auch die Kalkulation der Kosten pro Speaker, die DSGVO-Anforderungen an deine Anmeldeseite oder die Frage, ob sich ein evergreen laufender Kongress für dein Thema überhaupt lohnt, verdienen einen eigenen Text – hier ging es nur um die Auswahl selbst.
Wenn du gerade an deiner eigenen Speaker-Liste sitzt, würde ich dir raten, nicht zuerst nach den größten Namen zu suchen, sondern nach der saubersten Technik im Hintergrund – schau dir dazu gerne ClickSummits an, falls du noch ohne speakerspezifisches Tool planst. Sobald die Technik steht, bleibt mehr Energie für das, was wirklich zählt: der direkte Austausch mit deinen Speakern und deinen Teilnehmern. Wie du danach die Interaktion in deiner Community steigerst, ist dann der nächste Schritt.